Heute vor 57 Jahren…

von /the weekender!

…trug Allen Ginsberg zum ersten Mal sein Gedicht „Howl“ offentlich vor. Ort des Geschehens war die Six Gallery in San Francisco. Das erinnert mich daran, wie ich mit dem Thema „Beat“ in Berührung kam. Meine Mutter schenkte mir 1989 das Buch „On The Road“ von Jack Kerouac. Vorher hatte ich schon eine Menge Material über die Hippiebewegung verschlungen und viele Biographien gelesen. Dort wurden immer wieder Beatniks erwähnt und nun wollte ich endlich erfahren, was es mit der Subkultur auf sich hatte, aus denen die Hippies hervorgingen. Dieses Buch habe ich in einem Zug durchgelesen und es blieb nicht bei einem Mal. Das war der Auftakt zum Kauf vieler weiterer Bücher zum Thema. 1997 kaufte ich mir ein Buch von Ed Sanders aus der Reihe „Tales Of Beatnik Glory“ mit dem Titel „Der Sommer der Liebe“. Leider konnte meine Buchhandlung die beiden anderen Bände aus der „Tales Of Beatnik Glory“-Trilogie nicht bestellen und später war sie aufgrund der kleinen Auflage vergriffen. Ich versuchte es sogar über den Verlag direkt, aber der besass selbst nur noch die eigenen Belegexemplare. Vor Kurzem konnte ich nun endlich die beiden fehlenden Exemplare erwerben und lesen, die ich seit 1997 gesucht hatte.  Hat zwar nicht direkt mit Allen Ginsberg zu tun, aber das war ein gutes Gefühl. Antiquariate sind schon eine tolle Sache. Im Rahmen meines Interesses für die Beat-Ära, studierte ich natürlich auch „Howl“ und war begeistert. Sowas hatte ich vorher noch nie gelesen. So direkt und hart, dass ich noch wochenlang davon beeindruckt war. Ginsbergs Verleger wurde 1957 angeklagt, weil das Gedicht angeblich zu obszön war. Vor Allem ging es dabei um die Zeile „…who let themselves be fucked in the ass by saintly motorcyclists, and screamed with joy.“ Bei den Moralvorstellungen im Amerika der 50er Jahre wundert mich das nicht. Es ging allerdings alles gut aus und der Prozess endete mit einem Freispruch, nachdem mehrere Literaturexperten das Gedicht als wertvoll beschrieben. Dem Prozess, der viel Aufsehen erregte, verdankt Ginsberg, der 1997 starb, letztendlich auch seine grosse Berühmtheit. Über die Vorgänge rund um „Howl“ gibt es auch einen Kinofilm, der wider Erwarten recht gut ist. Wer das Gedicht nicht kennt, dem empfehle ich dringend es zu lesen.