The Rise & Fall of Walt Jabsco / 2 Tone Records – mehr als nur zwei Töne…

von /the weekender!

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Als ich 1979 die ersten Ska-Aufnahmen hörte, konnte ich nicht viel damit anfangen. Doch schon ein Jahr später packte mich die Leidenschaft des Off-Beats, die mich bis heute nicht losgelassen hat.

Anfangs dachte ich, wie viele andere meiner Generation auch, Ska sei eine Spielart des Reggae,

Aber heute weiß ich, dass dieses totaler Unsinn ist. Denn ohne Ska in den 6T’s hätte es keinen Reggae gegeben. Der 2-Tone Sound war für mich und viele andere der Anfang einer fanatischen Fanschaft.

1. One Step Behind

Doch bevor wir in das Jahr 1979 reisen, gehen wir noch zwei Jahre weiter zurück. 1977 gründeten einige Jungs aus Coventry eine Bands namens Automatics. 1978 mussten sie sich allerdings in Coventry Automatics umbenennen, denn eine Band namens Automatics unterzeichnete einen Vertrag mit Island Records. Doch die Coventry Automatics nannten sich um in The Special A.K.A The Automatics. Zu dieser Zeit verließ Johnny Rotten die Sex Pistols und Jerry Dammers, Organist der Special A.K.A The Automatics, machte sich auf nach London um ihn als Sänger für die Band zugewinnen. Statt Johnny Rotten traf er aber Bernie Rhodes, den Manager der Clash.
Als Jerry Dammers wieder zurück in Coventry war, strichen sie dann das Automatics aus ihrem Namen und hießen nun The Special A.K.A. Kurze Zeit später gingen sie mit den Clash auf Tournee. Und anschließend gesellte sich Terry Hall als Sänger zu ihnen. Die Special A.K.A hatten nun schon das Line-Up mit dem sie später zu Weltruhm kommen sollten:
Horace Panther (Bass), Terry Hall (Vox), Neville Staples (Vox), Jerry Dammers (Orgel), Roddy Radiation (Git), Lynval Golding (Git) und John Bradbury (Drums).
Begeistert von der Band wollte Bernie Rhodes ihnen einen Plattenvertrag anbieten, doch zu seien Bedingungen

und das bedeutete das Terry Hall bei den Black Arabs singen sollte. Diese Tatsache brachte das Fass zum Überlaufen und die Band beschloss das Kapitel Bernie Rodes zu beenden. Jerry Dammers kam auf die Idee der Kopf einer Jugendbewegung zu werden, wie es die Sex Pistols mit Punk wurden. Sie begannen ihr Image zu ändern, d.h. sie nahmen die jamaikanischen Rude Boys und die brit. Skin- und Suedeheads als Inspiration für ihre Klamotten. Also Loafers, Brogues, Doc Martens, Sta prest-Hosen. Tonic-Anzüge, Ben Sherman und Fred Perry Klamotten. Dies war der neue Look der Special A.K.A und der Beginn einer neuen Ära (ganz neu war dieses für Jerry Dammers aber nicht, denn er war bereits 1970/71 Suedehead).

2. The Drawing Of A New Era

Enttäuscht vom Musikgeschäft, wollte Jerry Dammers nun auch ein eigenes Plattenlabel gründen, auf das sie Platten nach ihren Vorstellungen heraus bringen konnten.
2-Tone-Records war der Name dafür. Benannt nach den zweifarbig sch

immernden Tonic-Anzügen, die die Mods, Skinheads und Suedeheads in den 6T’s und frühen 70’er Jahren getragen hatten. Der Name stand aber auch für die gemischtrassige Zusammensetzung der Band, denn zwei der Mitglieder, Neville Staples und Lynval Golding waren Schwarze und der Rest war weiß. Das schwarz-weiße Karodesign kam aus den Op-Art-Tagen der 6T’s. Und das Männchen Walt Jabsco war ein schwarz-weiß Negativ von einem Rude Boy, basierend auf einem Foto von Peter Tosh auf einer frühen Wailers-LP auf Studio One. Dieses war das Markenzeichen von 2-Tone-Records und die Geburt der 2. Skawelle.
“Gangsters” war dann im März 1979 die erste Aufnahme der Special A.K.A. “Gangsters” war eine Neueinspielung des Titels “Al Capone”, mit dem Prince Buster 1964 einen Hit hatte. Es war eine Abrechnung mit Bernie Rhodes, dem Manager der Clash. Die Special A.K.A.hatten sich 700 Pfund zusammen geliehen, um die Single heraus zu bringen; leider reichte das Geld aber nur für die A-Seite. Also mußten andere Geldgeber gefunden werden. Ein Partner fanden sie in Noel Davis. Die B-Seite der Single hieß nun “The Selecter” von The Selecter, die damals eigentlich nur ein Studioprojekt von Noel Davis waren. Eine andere Besonderheit war, das die A-Seite Katalog-Nr. TT 1 hatte und die B-Seite TT 2. 5000 Kopien wurden verkauft.

3. Ein britisches Motown

Jerry Dammers wollte aus 2-Tone-Records das britische Gegenstück zu den US-amerikanischen Labeln Stax und Motown machen. Es war nicht einfach in jenen Tagen ein Label zu gründen, welches für Rassengleichheit war. Denn seit Maggie Thatcher und der Konservativen Tory-Regierung im Mai 1979 an die Macht kamen, wurden die Rechte der Gewerkschaften zerstört, die Arbeitslosigkeit stieg in die Höhe, die Bürgerrechte der Bevölkerung wurden eingeschränkt und faschistische Organisationen wie die National Front und das British Movement bekamen großen Zulauf. Der brit. Reggae Poet Linton Kwesi Johnson stellte in seinem Lied “Reggae Fi Peach” die Frage: Is England become a faschist state? Am 29. Mai 1979 nahmen die Special A.K.A dann eine Session für John Peel’s Music auf. Als diese Session dann auf Radio One lief, meldete sich Elvis Costello bei der Special A.K.A, er sollte das erste Album der Band produzieren. Auch einige große Plattenfirmen klopften an, z. B. A&M, Island oder Rolling Stones Music. Sie boten alle viel Geld, doch Grundsatz von 2-Tone-Records war die Unabhängigkeit von Bands und Label. Zu guter Letzt kam ein Vertrag mit Chrysalis zustande. 2-Tone-Records wurde unabhängiges Unterlabel und im Juni 1979 kam “Gangsters” erneut in die Charts. Am 08.Juni 1979 spielten die Specials, wie sie sich nun nannten im Londoner Nashville Club, im Vorprogramm die Londoner Band Madness. Und im August 1979 kam die Debeut-Single von Madness auf 2-Tone-Records heraus: “The Prince” war eine Hommage an ihren Namensgeber Prince Buster.
Nach dem Erfolg der Single wollten Madness ein Album heraus bringen, doch 2-Tone-Records konnten ihnen die Bedingungen nicht erfüllen und zum anderen wollten Madness nicht im Schatten der Specials stehen, so unterschrieben sie bei Stiff Records und brachten das grandiose Album “One Step Beyound” heraus. Für 2-Tone-Records gab es nun eine Lücke zuschließen. Und die Band Selecter, die nun wirklich als Band existierte, kam da gerade recht. Im Oktober 1979 kam “On My Radio” heraus.

4. A Message to you, Rudy

On my Radio war eine Attacke auf die Radio Sender, die nur saubere und sichere Chart-Pop-Musik spielten. Und auch die Specials kamen mit einer neuen Single in die Charts, mit der Dandy Livingstone 1967 schon einmal Erfolg hatte: “A Message to you, Rudy”. Eine Besonderheit war, das Rico Rodrigeuz.

die Posaune spielte, denn er war schon 1967 bei der Originalaufnahme dabei. Und dem nicht genug; ebenfalls im Oktober 1979 kam die Debut-Single der Birminghamer Band The Beat heraus. Sie brachten eine Smokey Robinson & The Miracles Soul Nummer im Skagewand: “Tears of a clown”. Aber genau wie Madness blieben The Beat nicht in der 2-Tone-Familie. Astria Records bot ihnen 60.000 Pfund für einen Plattendeal, und da gründeten sie ihr eigenes Unterlabel für Astria Records: Go Feet. Sie waren 2-Tone-Records für alles was sie für sie getan hatten sehr dankbar, nun sollten aber andere Bands eine Chance bekommen.

Übrigens kamen alle fünf bisherigen 2-Tone-Singles in die Top 20 der britischen Charts. Im Oktober 1979 kam dann auch das erste Album auf 2-Tone-Records heraus: Specials hieß es und wurde von Elvis Costello produziert.

Das Album stieg sofort in die Top 5 der britischen Album Charts und blieb 45. Wochen drin! Kurz nach der Veröffentlichung des Albums kam es zu einer großen 2-Tone-Tour. Mit dabei waren The Specials, The Selecter und Madness. Auf dieser Tour kam es zu massiven Überfällen und Störungen der Konzerte durch die faschistische National Front. Die Bands griffen jedes Mal aktiv auf Seiten der Antirassistischen und Antifaschistischen Mods, Skinheads und Rude Boys gegen die Faschos ein.

Das viele Skinheads auf den Konzerten waren brachte 2-Tone den Ruf einer faschistischen Bewegung ein. Dies war aber Blödsinn, denn Rassengleichheit war die Botschaft von 2-Tone. Skinheads und Faschismus/Rassismus passte und passt eben nicht zusammen! So gab es /gibt es eine große Tradition unter den Skins die die linke Labour-Party wählen und 1978 wurde die Skins Against Nazis-Bewegung gegründet.
Die “Rock Against Racism-Bewegung” meinte 2-Tone würde nicht genug gegen Rassismus tun. “Fakt ist das die Specials in Top Of The Pops mehr für die Werbung der Rassenharmonie taten als 1000 RAR Buttons”, so sah das der 2-Tone Chronist George Marschall. Ich bin eher der Meinung dass beides wichtig war/ist. Aber auch die schwarze Bevölkerung war gegen 2-Tone, sie meinten, dass 2-Tone den Ska geklaut hätte. Rico Rodriguez, der Posaunist auf vielen 2-Tone Aufnahmen, sagte: “Das ist Blödsinn, denn sonst würde ich als Schwarzer bestimmt nicht mit den Bands zusammen auftreten”. Und Laurel Aitken sagte: ”Viele Leute behaupten, dass sie den Original Ska Sound geklaut hätten, aber viele Schwarze wollten keinen Ska spielen, sie wollten Reggae spielen. Doch Reggae und Ska ist das gleiche Ding”. Wie dem auch sei, Madness verließen die Tour, sie hatten keinen Bock mehr auf diesen Ärger. Sie wurden durch die Soul Combo Dexy’s Midnight Runners ersetzt. Jerry Dammers wollte Dexy’s Midnight Runners gerne für 2-Tone-Records haben, aber ihr Sänger Kevin Rowland sagte: ”Wir wollten kein Teil einer Bewegung werden, wir wollten unsere eigene Bewegung. Dexy’s Midnight Runners unterzeichneten einen Vertrag mit Bernie Rhode’s Oddball Records und heraus kam “Dance Stance”.

5. Three Minutes Heroes

Im Oktober 1979 war auch die Reggae Band UB40 im Gespräch auf 2-Tone-Records heraus zu kommen. Aber UB40 unterzeichneten bei einer Major-Companie, um dann ebenfalls wie schon The Beat ein Unterlabel zu gründen. Im März 1980 kam ihre Debut-Single “King” heraus. Eine andere Band die mit 2-Tone Records in Verbindung gebracht wurde, waren die Bad Manners. Da ihnen 2-Tone aber nur einen Deal über eine Single anbot, gingen sie zu Magnet Records.1980 fängt ein Jahrzehnt an und mit 2-Tone-Records lief es nicht so wie es einmal gedacht war. 2-Tone-Records hatten ein großes Problem, es bestand darin, dass alles so schnell ging. D. h. 1979 wurden sechs Singles veröffentlicht und alle kamen auf Anhieb in die Top 20 der britischen Charts. Keiner der beteiligten Musiker konnten den raschen Erfolg so richtig verkraften (Terry Hall/The Specials und Ranking Roger/The Beat waren damals 18 Jahre jung).Coventry, die Heimat von 2-Tone-Records wurde so etwas wie das Liverpool, d. h. Merseybeat in den 6T’s. Damals gab es von Liverpool ausgehend die Beatlemania und nun war Coventry Mittelpunkt der Skamania. Elvis Costello, der Produzent der ersten Specials LP, hatte Anfang 1980 einige Probleme mit seiner Plattenfirma WEA, sodass er sein eigenes Label F-Beat Records gründete. Elvis Costello nannte es The Stax To 2-Tone’s Motown. Auf diesem Label kam die 2-Tone orientierte LP Get Happy heraus. Außerdem machte Elvis Costello einen One-Off-Record Deal mit 2-Tone-Records. Heraus kommen sollte die Single “I can’t stand up for falling down”, eine Coverversion des Soul-Klassikers von Sam&Dave. Erscheinen sollte die Single als 7.Single von 2-Tone-Records. Aber Elvis Costellos ehemalige Plattenfirma WEA hatte etwas dagegen, so das die 13.000 gepressten Singles nicht verkauft werden durften; sie wurden auf einer Elvis Costello Tournee verschenkt. Aber der Titel “I can’t stand up for falling down” kam doch noch als Single heraus, denn Elvis gewann den Streit mit WEA vor Gericht, heraus kam sie auf F-Beat.

Da die Elvis Costello Single nun nicht auf 2-Tone-Records heraus kam, wurde die Katalog Nr. TT 7 erneut vergeben. Mitte Januar 1980 kam die Live EP “Too much too young” von den Special A.K.A. heraus.

Nach ihrer USA Tour, die die Specials im Januar 1980 antraten, kam es, dass ein neuer Fan der 2-Tone Musik geboren wurde: Debbie Harry von der US-Pop-Punk-Band Blondie. Gerüchte der damaligen Zeit besagten, dass die Blondie Single “The Tight is High” (das Original ist 1967 von den Paragons aufgenommen wurden) auf dem 2-Tone-Records heraus kommen sollte, aber es blieb ein Gerücht. Durch die Popularität der Live EP “Too Much Too Young” auf der die Specials alten Blue Beat Klassikern neues Leben einhauchten (Guns Of Navarone, Longshot Kick De Bucket, Liquidator, Skinhead Moonstomp), kam es das Label wie Trojan Records oder Island alte Klassiker wieder heraus brachten. So kam “Skinhead Moonstomp” von Symarip auf Trojan Records wieder in die Charts, und Island brachten die legendären Sampler Club Ska ‘67, Intensified, More Intensified und andere wieder heraus. Ach ja und IBC Records brachten die Reihe “Dance The Ska 1-7” mit 6T’s Blue Beat Klassikern heraus. Für mich war dieses die erste Begegnung mit dem Original Ska der 6T’s und damit wurde auch mit der fälschlichen Annahme aufgeräumt das Ska aus Reggae entstand. Ich merkte auch das meine 2-Tone Helden viele Hits geklaut hatten. Aber auch einige der Väter des Blue Beat brachten neue Sachen heraus, so etwa Desmond Dekker oder Laurel Aitken. Auch Selecter waren nicht untätig, so kam im Januar 1980 ihre Single “Three Minute Heroes “ heraus. Nachdem auch diese Single ein Erfolg wurde, kam am Valentienstag 1980 ihr erstes Album “Too Much Pressure” heraus, dies war die zweite LP auf 2-Tone.

Im März 1980 erschien die Debut Single der Bodysnatchers, diese nun bereits 9. Single auf 2-Tone enthielt die Coverversion des Dandy Livingstone-Klassikers “Let’s Do Rock Steady” und die Rude Girl Hymne “Ruder Than You”. Es folgte ebenfalls im März eine weitere Selecter-Single: “Missing Words” und im Juni 1980 kam “Rat Race” von den Specials heraus.

6. Ruder Than You

Mit dem Erfolg von 2-Tone-Records kam es, dass viele Bands mit der Welle schwimmen wollten, so kam auf 2-Stroke-Records eine Ska-Single der Mod-Band Lambrettas heraus. Nicht nur der Name 2-Stroke erinnert an 2-Tone, sondern auch das Cover. Bloß, dass anstatt eines Rude Boys ein Mod im Parka zu sehen war, schwarzweiß natürlich. Aber auch andere Mod-Bands wie z. B. die Merton Parkas oder Graduate brachten Skatitel heraus. Im Juli 1980 war die Single “Gangsters” nun schon 12 Monate in den Charts, und die Dinge
fingen an irgendwie falsch zulaufen. Selecter waren der Meinung das 2-Tone-Records zu populär geworden waren und verließen das Label. Jerry Dammers sagte dam

als: ”Es geriet alles außer Kontrolle und 2-Tone Records wurde zu einem Monster wie Frankensteins Monster”. Ganz GB war 2-Tone verrückt: T-Shirts, Buttons, Aufnäher, Krawatten etc. wurden mit dem 2-Tone Logo verkauft. Chrysalis die Mutter von 2-Tone-Records gab das Merchandising an eine andere Firma, die dafür verantwortlich war. Aber die Bands wollten dieses nicht, und hofften, dass keiner die Produkte kaufen würde. In der 2-Tone-Zentrale in Coventry trafen täglich viele Tapes von Bands ein, die auf 2-Tone heraus kommen wollten. Doch viele Bands hörten sich wie die Kopien der Specials oder Selecter an, sie wollten keinen Ska aus Überzeugung spielen, sondern nur der Kohle wegen. In der Medienlandschaft gab es im Sommer 1980 etwas Neues Rock-A-Billy und New Romantic waren angesagt. Ska hatte seinen Charme verloren. Aber es gab noch Bands wie Cairo, The Gangsters, Mobsters oder Arthur Kay & The Originals. Sie waren die Bands der Stunde, aber sie wurden von der Musikpresse nicht beachtet, zum Teil weil sie nicht auf 2-Tone-Records heraus kamen und zum anderen, weil Ska kein Trend mehr war.

7. Dance Craze Im Sommer 1980 kam dann die zweite Single der Bodysnatchers “Easy Life” heraus, die B-Seite war eine Coverversion des Winston Francis Klassikers “Too Experienced”. Im September folgte dann die dritte LP auf 2-Tone “More Specials” von den Specials. Sie Single-Auskopplung “Stereotype” kam bis auf Platz 6 der brit. Charts. Den ersten 100.000 Alben war noch eine Single beigelegt: die Skank-A-Billy Nummer “Baggin’ & Tryin Not To Lie” von Roddy Rodiation und eine Neueinspielung von “Rude Boys Outta Jail” von Neville Staples. Ebenfalls im September kam das Single-Debut der Swinging Cats

auf 2-Tone heraus und eine LP der Bodysnatchers war in Planung, doch dabei blieb es auch, schade haben wir doch damals fest mit der LP gerechnet. Nach einer Tournee mit der jamaikanischen Band Heptones, ging die Band in die Brüche. Die Sängerin der Bodysnatchers Rhoda Dakar und die Bandgründerin Nicky Summers wollten mehr sozialkritische Songs heraus bringen, der Rest Popmusik. Aus der Asche der Bodysnatchers entstanden dann die erfolgreiche Popband die Bell Stars. Im Oktober 1980 kam die erste Single nach langersehnter Zeit der Legende Rico heraus: “Sea Cruise” hieß sie.

Im Dezember kam dann die zweite Single Auskopplung aus der LP “More Specials” nach Stereo Type heraus: “Do Nothing”. Nach einer sechsmonatigen Tour beschlossen die Specials einmal Dinge zu tun die nichts mit den Specials zutuen hatten. Jerry Dammers machte sich daran den langersehnten 2-Tone Film Dance Craze zu starten und spielte zusammen mit John Bradbury und Horace Panther einige Nummern als Backing Band für Rico ein. John Bradbury gründete sein eigenes Label: Race Records. Die erste Veröffentlichung war von der Soul-Band Team23 und der Titel hieß “Moving To The Rhythm”. Ebenso kam eine Band namens The People auf Race Records heraus, dahinter standen die Ex-Selecter Leute Desmond Brown und Charlie Andersen. Ihre Single war ein Tribute an Rico. Auch Neville Staples gründete sein eigenes Label Shack Records, es war sehr Reggae orientiert. Und am 15. Februar 1981 war es endlich soweit: da kam der 2-Tone Film Dance Craze in die Kinos. Aufgenommen wurden Konzerte der Specials, Selecter, The Beat,

Madness, Bad Manners und den Body Snatchers. Dadurch erschienen die Bad Manners nun doch noch auf 2-Tone Reords, denn es kam eine Live-LP “Dance Craze” heraus.

Auch Rico ließ 1981 wieder von sich hören, es erschien seine erste LP für 2-Tone-Reords. Seine letzte Scheibe davor war aus dem Jahr 1976: “Man From Wareika”. Die 2-Tone-Scheibe “That Man Is Forward” war ein gelungenes Solo-Comeback von Rico, der ja zuvor bei den Aufnahmen für die Specials, Selecter oder Linton Kwezi Johnson dabei war.

8. Ghost Town

Lange Zeit mussten die Special Fans auf eine neue Single warten, aber Juli 1981 kam “Ghost Town” heraus, und erreichte Platz 1 der britischen Charts. Ghost Town war der Soundtrack zu den Rassenunruhen in GB. Die B-Seite der Single enthielt zwei Titel: “Why?” Und “Friday Night, Saturday Morning”. “Why?” war Lynvil Goldings Antwort auf die Faschos, die ihm vor dem Moonlight Club angegriffen hatten.

Im Oktober 1981 trennten sich die Specials. Jerry Dammers, John Bradbury und Horace Panther gingen auf Tour mit Rico. Roddy

Radiation ging zu den Tearjerkers. Und Terry Hall, Lynval Golding und Neville Staples gründeten Fun Boy 3. Dies war aber nicht das Ende von 2-Tone-Records. Jerry, John und Horace machten weiter als Special A.K.A. Und gingen mit Rico auf BRD-Tour. Kurze Zeit später kam Rhoda Dakkar, die ehemalige Sängerin der Bodysnatchers, zu der Special A.K.A..Und im Januar 1982 kam die Single “The Boiler” heraus, eigentlich war der Titel für die Bodysnatchers gedacht, doch durch deren Auflösung kam es nicht mehr dazu. Da es bei dieser Single um Vergewaltigung ging, boykottierten die Radiosender die Single. Damit bewiesen die Medien wiedermal, das was die Selecter schon 1980 mit der Single On My Radio ankreideten. Im Februar 1982 nahmen die Special A.K.A dann eine Single mit Rico auf: “Jungle Music”. Im März folgte das Rico Album Jama. 1982 war Jerry Dammers auf der Suche nach neuen Talenten für 2-Tone-Records und im Juli kam die erste Single eines dieser neuen Talente auf 2-Tone heraus: die Apollinaires mit “Feelin Gone”. Dann dauert es allerdings bis Oktober 1982 bis die nächste Single auf 2-Tone erscheinen sollte. Es handelte sich hierbei ebenfalls um eine Soul-combo: die Higsons brachten die Scheibe “Tear The Whole Thing Down” heraus.

Die zweite Single der

Apollinaires folgte im November ’82 und im Dezember kam dann eine neue Single der Special A.K.A. heraus: “War Crimes”. “War Crimes” war eine totale politische Nummer, die Special A.K.A. kreideten in dem die Politik Israels im Umgang mit den Palästinensern an. Doch die Single wurde ebenfalls wie schon “The Boiler” mit Radioboykott belegt. Die erste Veröffentlichung des Jahres 1983 war dann die zweite Single der Higsons: “Run Me Down”. Es war noch eine LP der Higsons auf 2-Tone-Records in Pla

nung, aber die Higsons verließen genauso wie die Apollnaires das Label. Schade denn der Sound der Higsons war supercooler und superguter Soul. Danach herrschte erst einmal Funkstille bis zum August 1983. “Racist Friend” hieß die neue Single der Special A.K.A. Dies war wieder ein antirassistischer Reggae-Kracher. Nun und dann war das Jahr 1983 auch schon wieder vorbei, in der Tat ein sehr ruhiges Jahr für 2-Tone-Records. Die Special A.K.A. gingen nicht mehr auf Tournee, sondern waren im Studio um eine LP einzuspielen. Im November erschien dann ein sozusagen Best Of…Album “This Are Two Tone”, es enthielt einige der besten 2-Tone-Singles aus den Jahren 1979 bis 1982. Das Jahr 1984 brachte dann wieder einen Knaller, im März erschien die Anti-Apartheids-Hymne: “Nelson Mandela”. Nelson Mandela, nach Ende des Apartheidregime in Südafrika Präsident des Landes, war 1984 noch Gefangener des Apartheidregimes. Er wurde 1962 eingekerkert, weil er und der ANC gegen das
Rassistische Regime in Südafrika kämpfte, er trat für Rassengleichheit ein. Mit dieser Single kamen die Special A.K.A und damit 2-Tone-Records wieder in die britischen Cha

rts und zwar bis auf Platz 9. Im Juli erschien dann das langerwartete dritte Album der Specials bzw. Special A.K.A. Es war das politischste Album welches sie je gemacht hatten. Die Songs handelten von Krieg, Antirassismus, Drogen und Frauenfeindlichkeit. Die Songs drückten dies im Soul-, Funk-, Jazz-, Reggae oder Skagewand aus. Das Album “In The Studio” kam bis auf Platz 36 der britischen Charts. Im

August 1984 wurde eine große Party gefeiert, zu Ehren des 25-jährigen Bestehens der Antiapartheid-Bewegung, 20.000 Leute waren dabei, mit von der Partie waren die Special A.K.A. Die nächste Single-Auskopplung kam im August 1984 “What I Most Like About You Is Your Girlfriend “floppte allerdings wieder. Dann war wieder Funkstille.

9. You’re
wondering now

Im März 1985 versammelte Jerry Dammers dann viele alte Kollegen aus den 2-Tone-Ska Jahren, sie spielten die alte Pioneers Single “Starvation” ein. “Starvation” wollte Geld für die Hungernden Menschen in Äthiopien, Eritrea und Sudan sammeln. Es war eine Art SKA-AID,

heraus kam die Single auf dem Madness Label Zarjazz. Im Oktober 1985 erschien dann die vorletzte Single auf 2-Tone und zwar von der Northern Soul Combo Friday Club. Im Januar 1986 war dann das endgültige Aus für 2-Tone Records. Die Allerletzte Single auf 2-Tone war von den J.B. Allstars. Dahinter versteckte sich John Bradbury mit dem Stück “Alphabet Army”. 1989 erschien zum 10-jährigen Jubiläum das Doppelalbum “The 2-Tone Story” und Anfang der 90’er Jahre dann die 4-CD-Box “Compact 2-Tone” mit einem Buch über 2-Tone von George Marschall. Es folgten noch eine CD auf der die Singles der Specials und Special A.K.A vorhanden waren und eine Live-CD “The Specials live At The Moonlight Club” und damit war endgültig
Schluss.

10. Ska is back in Town

Es ist, bei allen Vorbehalten die dem 2-Tone-Sound entgegen gebracht werden (z.B. es war/ist kein Ska, sondern Punk), eine Tatsache, dass das kleine aber feine Label aus Coventry bis heute zahllose Bands in aller Welt beeinflusst hat. Und ohne die zweite 2-Tone Welle würde es keinen 3rd Wave of Ska geben. Also ich für meinen Teil liebe den 2-Tone-Sound, sei es nun der Ska-Sound der Jahre 1979-1982, oder der Soul-Funk-Sound der Jahre 1982-86. Um es mit einen Zitat von 10CC zusagen: I don’t like 2-Tone. I love it!!

Discographie:

Singles:

Katalog Nr. Artist Titel

TT1/TT2 The Special AKA vs The Selecter Gangsters
CHS TT3 Madness The Prince
CHS TT4 The Selecter On My Radio
CHS TT5 The Specials (feat.Rico) A Message To You Rudy
CHS TT6 The Beat Tears Of A Clown
CHS TT7 Elvis Costello I Can’t Stand Up For Falling Down
CHS TT7 The Special AKA Too Much Too Young
CHS TT8 The Selecter Three Minute Hero
CHS TT9 The Bodysnatchers Let’s Do Rock Steady
CHS TT 10 The Selecter Missing Words
CHS TT11 The Specials Rat Race
CHS TT12 The Bodysnatchers Easy Life
CHS TT13 The Specials Stereotype
CHS TT14 The Swinging Cats Mantovani
CHS TT15 Rico Sea Cruise
CHS TT16 The Specials Do Nothing
CHS TT17 The Specials Ghost Town
CHS TT18 Rhoda & The Special AKA The Boiler
CHS TT19 Rico & The Special AKA Jungle Music
CHS TT20 The Apollinaires The Feeling’s Gone

CHS TT21 The Higsons Tear The Whole Thing Down
CHS TT22 The Apollinaires Envy The Love
CHS TT23 The Special AKA War Crimes
CHS TT24 The Higsons Run Me Down
CHS TT25 The Special AKA Racist Friend
CHS TT26 The Special AKA Nelson Mandela
CHS TT27 The Special AKA What I Like Most About You Is Your Girlfriend
CHS TT28 The Friday Club Window Shopping
CHS TT29 JB’s Allstars The Alphabet Army
CHS TT30 The Specials/Special Productions Ghost Town (revisited)
CHS TT31 Various The 2 Tone EP
CHS TT999
(free Single w/ More Specials LP) Roddy Rodiation vs Neville Staples Baggin’ & Tryin Not To Lie

Albums:

Katalog Nr. Artist Titel
CDL TT 5001 The Specials Specials
CDL TT 5002 The Selecter Too Much Pressure
CHR TT 5003 The Specials More Specials
CHR TT 5004 Various Dance Craze
CHR TT 5005 Rico That Man Is Forward
CHR TT 5006 Rico Jama Rico
CHR TT 5007 Various This Are Two Tone
CHR TT 5008 The Special AKA In The Studio
CHR TT 5009 Various The 2 Tone Story
CHR TT 5010 The Specials The Special Singles
CHR TT 5011 The Specials Live At The Moonlight Club 1979
CHR TT 5012 Various The Best Of 2 Tone
CHR TT 5013 Various The Compact 2 Tone Story
CHR TT 5014 The Specials Stereo – Typical

Bücher:

The 2-Tone Book For Rude Boys von Miles (Omnibus Press) (vergriffen)
The Specials Illustrativ Songbook (vergriffen)
Twist & Crawl – The Beat von Malu Halaso (Eel Pie Publishing)(vergriffen)
The Two Tone Story von George Marschall (S T Publishing)
Total Madness von George Marschall (S T Publishing)
Bad Manners von George Marschall (S T Publishing)
You’re wondering now – A History Of The Specials von Paul Williams (S T Publishing)
Two Tone: The Definitive History of the Ska Revival von Dave Thompson (Helter Skelter Publishing) (soll im Juni/Juli erscheinen)

More Infos about 2-Tone:
http://www.2tone.info

Die 25 Besten “Neo”-2 Tone Alben (1986 – 2003)

1. Guilty ‘till Proved Innocent – The Specials
2. Return of the Ugly – Bad Manners
3. Big Fight – Alpha Boy Scholl
4. Hold Up Skacity – Skarface
5. 1 – Two Tone Club
6. Not Enough For You – The Frits
7. Pounding The Payment – N.Y. Citizens
8. Cheap Pounk Ska – Skarface
9. Capone & The Bulltes – Capone &The Bullets
10. Pool Shark – The Toasters
11. Wild Child – The Untouchables
12. Ska-A-Go-Go – Blue Killa
13. Yo Swing Mana – Rebelation
14. The Best Of – Komando Morailes
15. No Doubt – The Butlers
16. The Way The Things Are – The Hotknives
17. Porno ’75 – Skaos
18. The Best Tracks So Far – Skalatones
19. Ruder Than Rude – The Busters
20. Thrill Me Up – The Toasters
21. Contagions – The Loafers
22. Mr. Twist – Let’s Go Bowling
23. No Apologies – Skunks
24. El Bosso & die Ping Pongs – El Bosso & die Ping Pongs
25. Hot Pursuits – Spy Eye

Siggi Seidel (Blue Beat in my Soul Radio Show& Dance Craze Society)